Was früher ein Anruf beim Schreiner war, beginnt heute mit einer Nachricht aus dem Internetz. Missverständnisse entstehen leise, Erwartungen verschwimmen, und plötzlich steht man im falschen Raum, zur falschen Zeit, mit zu wenig Informationen – aber zu viel Vertrauen.
Das Bild hält genau diesen Moment fest:
Ein Schlafzimmer, warmes Licht, gespannte Stille. Lachen auf der einen Seite, Ratlosigkeit auf der anderen. Nichts ist eindeutig, alles ist schon passiert. Zwischen Alltag und Absurdität kippt die Situation, ohne dass jemand laut wird.
Es ist kein Skandal, keine große Geschichte.
Eher eine dieser bayerischen Wahrheiten:
Wenn Fachkräfte fehlen, füllen Fantasie und Internet die Lücken.
Und manchmal bleibt am Ende nur ein blaues Auge, ein offenes Bier –
und die Erkenntnis, dass man sich besser nicht immer gleich auszieht.
Ziag di bloß ned aus
(C) Rainer Wittmann (2026)
[VERS]
Da Kare hot ma gschrim, dass er wos macha mechad,
des hod er glesn drin im Internetz, dass des
ganz wos bsonders warad.
Des dadad nur zu dritta geh, doch er is bloß zu zwoat.
Da Mare dadad’s a guad gfalln, drum fragt er mi ganz keck.
I sog zum Kare „Woas i ned, ob i des macha mog. Mit
da Mare gangangds scho ganz guad, owa zu dritt is des a Blog.“
Da Kare sagt, „geh mach mas halt zu dritt und dann wirst seng.“
„Na guad“, so i, „dann mach mas halt, s’konn gar nix schnönres gem“
Dann bin i dann zum Kare gfoan, in sei Haus bin i nei, und dann
a glei ins Schlafzimmer, wo ois scho fertig war, o mei.
Die Mare die war a scho da, und hat scho glacht wia d’Sau.
Doch als i mi dann naggad ausong hob, ham alle bloß no gschaut.
[REFRAIN]
Ziag di bloß ned aus, du bist ned desweng do.
Die Mare braucht an Handwerker, fia des wos i ned ko.
Da neiche Schrank, der will ned so wie wir des beiden wolln.
Dann hamma denkt, mir holn die her, und dan da a nix zoln.
[BREAK]
Wart amoi.
Des muaß i jetzt amoi sacken lassn.
I steh do, ois is ruhig,
und i denk ma bloß:
Wia bin i da jetzt eigentlich nei rutscht?
Internetz, gell…
früher hams no gfragt,
heut schreibens da einfach.
[REFRAIN]
Ziag di bloß ned aus, du bist ned desweng do.
Die Mare braucht an Handwerker, fia des wos i ned ko.
Da neiche Schrank, der will ned so wie wir des beiden wolln.
Dann hamma denkt, mir holn die her, und dan da a nix zoln.
[RAP-BREAK]
Ziag di bloß ned aus –
(ziag di bloß ned aus)
I hätt’s wissn kinna –
(hättst wissn kinna)
Handwerker gsuacht –
(koan Liebhaber)
falsche Erwartung –
wieda moi.
[VERS]
I sog zu eana, ihr sads bled, i hob schon ois parat,
i hob mi duscht, die Seiden an, und a mein Strumpfad Hos.
I hob mir denkt, des wird was zwischen fünf und sieme wern
Du woast, doch Kare, dass die Mare mi hod no immmer gern.
Da Kare sagt, „du spinnst doch wohl, die is scho lang mei Frau.“
Und i zum Kare, „glaubst du denn, dass ihr deshalb ned nache schau?“
Des wos danach bassiert is, woas i heid nimmer so genau, nur
dass i jetzt seit Tagen, mit einem blauen Aug rum renn, des duad fei weh wia d’Sau.
Da Kare und die Mare, die ham mi gar nimmer gfragt, ob i no
Lust hätt, auf an Kaffee oder an Wurschtsalat.
Und gestern sagt da Hans, dass eam da Kare eiglon hat.
I sog zum eam „geh hi, mei Freind, des kann nur bluadig wern.“
[BRIDGE]
I hob ma denkt, jetzt kimmt no wos.
A große Red.
A Entschuldigung.
Oder wenigstens a Bier.
Aber nix is kemma.
Gar nix.
Bloß a Stille.
Und a Aug, des langsam blau worn is.
[REFRAIN]
Ziag di bloß ned aus, du bist ned desweng do.
Die Mare braucht an Handwerker, fia des wos i ned ko.
Da neiche Schrank, der will ned so wie wir des beiden wolln.
Dann hamma denkt, mir holn die her, und dan da a nix zoln.
Ziag di bloß ned aus, du bist ned desweng do.
Die Mare braucht an Handwerker, fia des wos i ned ko.
Da neiche Schrank, der will ned so wie wir des beiden wolln.
Dann hamma denkt, mir holn die her, und dan da a nix zoln.
[OUTRO]
Und heut steh i beim Hans vor da Tür.
Er macht auf.
A blaues Aug.
I schau eam o.
Er schaut mi o.
Koana sogt wos.
Dann sogt er bloß:
„Du…
host du des eigentlich a im Internetz glesn?“
I nick.
Er nickt.
Dann geh ma nei
und schalt’n den Computer o.
[REFRAIN]
Ziag di bloß ned aus, du bist ned desweng do.
Die Mare braucht an Handwerker, fia des wos i ned ko.
Da neiche Schrank, der will ned so wie wir des beiden wolln.
Dann hamma denkt, mir holn die her, und dan da a nix zoln.


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