Dieses Stück entzieht sich bewusst jeder klaren Genre-Zuordnung.
Es ist weder Song noch Klangfläche, sondern ein hörbarer Zustand zwischen Sprache, Musik und Raum.
Piano, Oboe und Akkordeon tragen keine klassische Melodie, sondern Bewegungen: Atem, Pausen, kleine Verschiebungen. Die Naturgeräusche im Hintergrund sind kein Effekt, sondern Teil der Zeit – sie erinnern daran, dass alles weitergeht, auch wenn Worte kurz stehen bleiben.
Der Gesang bleibt nah und menschlich, fast gesprochen, ohne Pathos und ohne dramatische Zuspitzung. Die deutsche Sprache darf hier sein, wie sie ist: klar, brüchig, präsent. Es geht nicht um Trauer, sondern um Dasein. Nicht um das Ende, sondern um den Moment dazwischen.
Diese Musik will nichts erklären.
Sie hält einen Raum offen – ruhig, lebendig und ungewohnt vertraut.
Wenn alles vergeht
(C) Rainer Wittmann (2026)
[Strophe 1]
Ich trag ein Ablaufdatum unter der Haut,
die Uhr in mir läuft leise, manchmal laut.
Tage zerbröseln wie altes Papier,
doch der Morgen steht trotzdem vor mir.
Zu früh gelernt, wie Abschied schmeckt,
zu oft geschwiegen, zu viel verdeckt.
Ich hab mich verloren im eigenen Raum,
mancher nennt das Leben. Ich glaub’s kaum.
[Pre-Refrain]
Doch irgendwo zwischen Kälte und Licht
vergisst mein Herz kurz das Gewicht.
[Refrain]
Wenn alles vergeht, niemand versteht,
bleibt der Augenblick wie ein Zeitknick
Zwischen Nachruf und Sonne
find ich mich zurück.
Ich bin nur kurz hier,
doch ich brenn, solange es geht.
Zwischen Endpunkt und Himmel
ist der Weg alles, was zählt.
[Strophe 2]
Meine Hände sind müde vom Festhalten,
von Dingen, die längst nicht mehr da sind.
Es hat mich erschüttert an falschen Tagen
und ich hab trotzdem Hoffnung getragen.
Ich war halb geblieben, nie ganz geworden,
hab Angst gesammelt in vielen Akkorden,
doch selbst im Schweigen liegt manchmal ein Ton,
der sagt: Du lebst noch. Komm schon.
[Refrain]
Wenn alles vergeht, niemand versteht,
bleibt der Augenblick wie ein Zeitknick
Zwischen Verlust und Wärme
geh ich ein Stück zurück.
Ich bin nur kurz hier,
doch ich glüh, solange es geht.
Zwischen Stillstand und Morgen
bin ich alles, was lebt.
[Bridge]
Vielleicht ist das Leben nur geliehen,
vielleicht nur ein sanfter Wind.
Doch solange wir atmen und fühlen,
ist selbst das Ende ein Anfang darin.
[GUITAR SOLO]
[Refrain 2x]
Wenn alles vergeht, niemand versteht,
bleibt der Augenblick wie ein Zeitknick
Zwischen Verlust und Wärme
geh ich ein Stück zurück.
Ich bin nur kurz hier,
doch ich glüh, solange es geht.
Zwischen Stillstand und Morgen
bin ich das, was gerade lebt.
[Outro – spoken]
Morgen ist wieder ein Morgen.
Morgen ist wieder ein Tag.
Gleichschlag.


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