Dieser Song beschreibt keinen Ausbruch, sondern einen Zustand. Einen Alltag, der sich selbst abspult: früh aufstehen, funktionieren, heimfahren, wiederholen. Die Musik zieht den Hörer in eine schwebende, leicht paranoide Atmosphäre, in der Zeit nicht mehr richtig greift und Gedanken in Schleifen laufen. Nichts eskaliert – und genau das macht es unangenehm ehrlich.
Auffällig sind kleine Verschiebungen im Text: Formulierungen, die nicht ganz „sauber“ sitzen, minimale Brüche im Bewusstsein. Sie wirken wie Nebel im Kopf, wie Müdigkeit, wie ein inneres Danebenstehen. Diese Ungenauigkeiten sind kein Zufall, sondern Teil der Perspektive: Die Erzählerin ist nicht zuverlässig, nicht ganz präsent, leicht entrückt. Die Sprache stolpert dort, wo das Denken selbst nicht mehr klar ist.
Musikalisch wird dieser Zustand getragen von einem hypnotischen, psychedelischen Sound, der sich eher einprägt als auflöst. Es gibt keine klare Erlösung, keinen großen Schritt, keinen Schrei – nur das leise Gefühl, heute einmal nicht ganz dabei zu sein.
Ein Song über Routine, Entfremdung und die feinen Risse, durch die man merkt, dass etwas nicht stimmt.
SChau in den Spiegel
(C) Rainer Wittmann (2026)
[VERS 1]
Um fünf Uhr morgen Augen auf,
du nimmst das jeden Tag in Kauf,
Maschine an, den Kaffee schwarz,
Zigarettenschachtel schon parat.
Nur ein, zwei Züge, du wachst auf,
die Welt ist schon im Dauerlauf,
Zähne putzen, Haare stutzen,
gleich geht’s los, zu wessen Nutzen?
[BRIDGE]
Du tust, was sie wollen,
du machst, was sie sagen,
liegt ganz an dir,
einen neuen Schritt zu wagen.
[CHORUS]
Schau in den Spiegel,
du wirst dich sehn,
tu es gleich,
es ist kein Vergehn.
Schau in den Spiegel,
mach die Augen auf,
bist nur eine Nummer,
im Systemverlauf.
[VERS 2]
Im Büro da schau’n sie schon,
zu spät gekommen, welch ein Hohn.
Drückst den Knopf, PC springt an.
Derselbe Mist wie gestern dran.
Klickst durch Zahlen und Tabellen,
andere auch und das in Wellen,
Zwölf Uhr, Pause, Essenszeit,
eine Stunde, wenig Freiheit.
[CHORUS]
Schau in den Spiegel,
du wirst dich sehn,
tu es gleich,
es ist kein Vergehn.
Schau in den Spiegel,
mach die Augen auf,
bist nur eine Nummer,
im Systemverlauf.
[VERS 3]
Zeit vergeht heut gar nicht richtig,
was ist dir eigentlich so wichtig,
um sechzehn Uhr ist Arbeit aus,
im Stau geht’s wieder mal nach Haus,
Im Kühlschrank liegt die Wurst von gestern,
Brot fast weg wie heute Morgen,
Glotze an, der Kopf wird leer,
willst nur Ruhe, sonst nichts mehr?
[BRIDGE 2]
Du denkst dir: „Morgen wird es anders“,
doch der Morgen denkt nicht für dich,
der Wecker klingelt, alles gleich,
und der Kreis beginnt von vorn.
[CHORUS]
Schau in den Spiegel,
du wirst dich sehn,
tu es gleich,
es ist kein Vergehn.
Schau in den Spiegel,
mach die Augen auf,
bist nur eine Nummer,
im Systemverlauf.
[OUTRO]
Vielleicht reicht ein Blick, ein kleiner Moment,
der dich noch an dich selber kennt,
kein großer Schritt, kein lauter Schrei,
nur heute mal nicht dabei.


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