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„Neunzehn Wagen“ ist ein Lied über die Flucht aus den Ost-Gebieten des Deutschen Reichs im Winter 1945 - nach einer wahren Geschichte.

Neunzehn Wagen
„Neunzehn Wagen“ Flucht aus Ost-Gebieten des Deutschen Reichs 1945

P.S. Über Spenden wird Buch geführt.

„Neunzehn Wagen“ ist ein erzählerisches Lied über die Flucht aus den Ost-Gebieten des Deutschen Reichs im Winter 1945 – nach einer wahren Geschichte. Es erzählt keine große Geschichte der Politik oder der Fronten, sondern eine kleine, menschliche: von Pferdegespannen im Frost, von Kindern, die noch spielen können, von Erwachsenen, die entscheiden müssen, ohne eine Wahl zu haben. Das Lied folgt einer Familie und einem Treck von Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten – nicht aus Mut, nicht aus Überzeugung, sondern aus Notwendigkeit. Mit ruhiger Gitarre, sparsamen Einwürfen einer Oboe und einer zurückhaltenden, erzählenden Stimme entsteht ein Klangraum, der dem Erinnern Raum lässt, ohne zu erklären oder zu urteilen.

Neunzehn Wagen

(C) Rainer Wittmann (2025)

[STROPHE 1]
Neunzehn Wagen langsam
durch Morgen aus Eis
Pferde dampfend still
Atem wie Schweiß

Hier ein Wort zu laut,
das nicht hat gestimmt.
Doch wer genauer hin sah,
keine Zukunft. Unbestimmt.

[STROPHE 2]
Der Alte saß auf seinem Stuhl
wie immer, wie gewohnt
Füße auf dem alten Teppich,
das alte Haus blieb unbewohnt.

Betten waren festgezurrt
auf Holz und Gummi fest
Ein Wagen nur mit Planendach.
Kalte Luft, die verletzt.

[REFRAIN]
Wir sind gegangen
nicht aus Mut
nicht aus Wahl.
Weil wir gehen mussten,
mit dem, was noch zu tragen war.

[STROPHE 3]
Einer mit dem Fahrrad
stets ein Stück voraus
Bettelte bei fremden Menschen
für ein Dach für diese Nacht

Ein anderer zählte Schritte,
hielt die Pferde ruhig.
Zehn Kilometer weiter.
Beschwerlich jeden Tag.

[STROPHE 4]
Mädchen mit den Puppen,
die kein Vermissen kannten.
Sie wussten nichts von Abschied
und auch nichts von den Truppen.

Sie lachten, wo es möglich war
im Dreck, im Schnee, im Lauf
Und irgendwo im Spiel vergaßen sie
was ihre Eltern nahmen in Kauf.

[REFRAIN]
Wir sind geblieben
nicht aus Plan
nicht aus Ziel
sondern weil die Pferde stehen blieben
und jemand sagte: „Hört auf!“

[STROPHE 5]
Eine Küche, viel zu klein
ein Klo für viel zu viele
Ein Bad am Sonntagabend
Der Nächste in der Diele.

Man teilte Brot, Zeit und Raum
und manchmal auch Enttäuschung.
Man ließ einander leben,
so war das damals eben.

[STROPHE 6]
Die Jahre gingen leise weiter
mit Arbeit, Pflicht und Sinn
Aus Kindern wurden Wege,
aus Wünschen ein „Ich bin!“

Einer blieb, die anderen gingen
keiner durfte zurück
Man nahm, was man bekommen hat
und nannte es: sein Glück

[OUTRO]
Heimat ist kein Ort auf Karten
kein Besitz, kein altes Haus
Heimat ist, wenn einer sagt:
„Bleib ruhig.
Du bist jetzt hier.
Du bist hier jetzt zuhaus.“

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