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"Namen ohne Gesicht" ist ein leiser Song über Menschen, die geblieben sind, obwohl sie nicht mehr da sind. Namen, Straßen und Hausnummern stehen ordentlich untereinander – wie in einem Verzeichnis. Was fehlt, sind die Stimmen, die Gesichter, die Bewegungen. Was bleibt, ist Papier.

Namen ohne Gesicht
Namen ohne Gesicht - Adressbuch und tote Menschen - rainerlei.de

P.S. Über Spenden wird Buch geführt.

„Namen ohne Gesicht“ ist ein leiser Song über Menschen, die geblieben sind, obwohl sie nicht mehr da sind. Namen, Straßen und Hausnummern stehen ordentlich untereinander – wie in einem Verzeichnis. Was fehlt, sind die Stimmen, die Gesichter, die Bewegungen. Was bleibt, ist Papier. Der Song liest diese Einträge nicht ironisch, nicht distanziert, sondern aufmerksam. Jede Zeile wirkt wie eine kurze Erinnerung, jede Adresse wie ein letzter Aufenthaltsort. Ohne Pathos, ohne Erklärung wird spürbar, dass hinter jeder nüchternen Angabe ein Leben stand – und dass auch Vergänglichkeit ihre Ordnung hat. Musikalisch bleibt Adressliste bewusst reduziert. Klavier, Raum, eine ruhige Stimme. Nichts drängt sich vor den Text, nichts will trösten. Der Song lässt Zeit, Namen auszusprechen und Stille auszuhalten. Am Ende wird klar: Irgendwann steht jeder nur noch im Buch. Und solange jemand liest, sind diese Einträge mehr als Adressen.

Namen ohne Gesicht

(C) Rainer Wittmann (2026)

[VERSE 1]
Bruno Kaltner, Lindenweg sieben
Mara Feld, hat hier mal geschrieben
Otto Lehnert, Gartenring zwei
Briefkasten leer seit langer Zeit

Helga Rosin, Am Hang Nummer acht
Licht brannte früher bis spät in die Nacht
Timo Wark, Alte Mühle vier
Kein Schild am Zaun, nur Wind vor der Tür

[PRE-CHORUS]
Alles ordentlich
untereinander
keiner fragt
wer sie einmal waren

[REFRAIN]
Namen ohne Gesicht
Straßen ohne Ziel
Hausnummern erzählen
zu viel, viel zu viel
Ich les sie laut
damit sie bleiben
Nicht nur Adressen,
einst voller Leben.

[SHORT BREAK]
Auf Papier

[VERSE 2]
Klara Voss, Birkenallee neun
Jemand zog aus, ließ Stühle zurück
Rene Possak, Am Markt Nummer drei
Fenster im Hof, sieht nicht mehr aus wie neu

Sibylle Korn, Rosenstraße sechs
Die Tür war mal rot, jetzt blättert das Blau
Jonas Blenk, Am Bach Nummer elf
Zu nah am Wasser, gestorben zweitausendelf

[BRIDGE]
Hier wohnhaft
früher
eventuell
vielleicht

Nachgesendet
nicht erreicht
keine Auskunft
keine Zeit

[REFRAIN]
Namen ohne Gesicht
Straßen ohne Ziel
Hausnummern erzählen
zu viel und zu viel
Ich les sie laut
gegen das Schweigen
Nicht Adressen,
es waren Menschen.

[BREAK]
Hauptstraße
Nebenweg
Sackgasse
Rückweg

links gewohnt
rechts vergessen

[VERSE 3]
Pauline Suttner, Im Feld Nummer fünf
Kam nie weit weg, wurde hundertfünf,
Erik Thalmann, Querweg zehn
Man sah ihn oft,
bis er durfte gehn.

Nora Klein, Sonnenhang eins,
nur noch Teil des Büchleins
Friedrich Maas, Alte Post vier
Briefe gestapelt, niemand mehr hier

[OUTRO]
Namen
Straßen
Hausnummern
still

Alles da
und doch zu viel

Ich klapp das Buch
ganz leise zu

Irgendwann
steh ich
nur noch
im Buche drin

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