„Man lernt es nur, wenn’s weh getan“ ist eine morbide Moritat im Gewand eines düsteren Noir-Cabaret-Jazzstücks. Mit lakonischer Stimme erzählt der Song von einem Mann, der Dinge ausprobiert, die man besser nicht ausprobiert – aus Neugier, aus Übermut, aus dem kindlichen Glauben heraus, dass es schon gutgehen wird. Tut es aber nicht.
Strophe für Strophe reiht sich ein kleines Unglück ans nächste: Strom, Messer, Schlange. Alles wirkt harmlos, fast verspielt, und kippt doch immer wieder ins Schmerzliche. Die Sprache bleibt dabei bewusst schlicht, fast naiv – als würde der Erzähler selbst erst im Nachhinein begreifen, was da eigentlich passiert ist. Genau darin liegt die Tragik: Es wird gelernt, aber zu spät.
Musikalisch bewegt sich der Song in einem dunklen Jazzkeller zwischen Moritat, Jahrmarkt und verruchtem Cabaret. Ein schleppender Groove, schiefe Harmonien und eine trockene, klare Stimme tragen die Geschichte ohne Pathos vor. Der Refrain klingt wie eine falsche Lebensweisheit, halb Belehrung, halb Spott: Man lernt es nur, wenn’s weh getan hat. Und manchmal lernt man es gar nicht mehr.
Der absurde, fast kinderliedhafte Ausbruch gegen Ende wirkt wie ein grotesker Totentanz – ein letztes Lachen, bevor alles still wird. Das sakrale Outro setzt schließlich einen bitter-ironischen Schlusspunkt: keine Erlösung, kein Trost, nur ein formelhaftes Amen.
Ein trauriger Song, ja – aber einer, der seine Traurigkeit nicht ausstellt.
Er grinst, erzählt, schweigt.
Und lässt einen mit dem unguten Gefühl zurück, dass man selbst vielleicht schon öfter an der falschen Stelle hingelangt hat.
Man lernt es nur, wenn’s weh getan
(C) Rainer Wittmann (2026)
[INTRO]
[VERS 1]
Ich sitze auf der Knitterkiste,
denke an die Kistenritze,
schau mal da, die kleine Litze,
ganz gefährlich, viele Blitze.
Finger dran und Strom gleich an,
Aua machts, nichts ist mehr dran,
Finger weg und stinken tuts,
das war zu viel des großen Muts.
[VERS 2]
Mach jetzt auf den Messerkasten,
sachte, sachte mal rantasten,
Finger tief ins Dunkel rein,
oh, ein Stich, Blut wie Schwein.
Finger raus, die Kuppe wackelt,
halb ab, halb dran, abgefackelt.
Finger in die Tüte legen,
ab zum Doktor, bisschen kleben.
[CHORUS]
Man lernt es nur, wenn’s weh getan,
erst kommt der Reiz, dann der Verstand.
Greif nicht rein, schau lieber zu,
wer alles testet, endet früh.
Man lernt es nur, wenn nichts mehr geht,
wenn man zu nah am Abgrund steht,
kein Applaus, kein letzter Mut,
nur die Lehre: War nicht gut.
[VERS 3]
Hand nun rein ins Erdenloch,
dort wo grad die Schlange kroch,
Hand ganz tief hinein, tief rein,
Schlange beißt in Finger fein.
Hand raus, Aua, schau, wie rot.
Schlange flieht ins Abendrot.
Und noch vor dem Abendbrot.
Finger ab und Männlein tot.
[CHORUS]
Man lernt es nur, wenn’s weh getan,
erst kommt der Reiz, dann der Verstand.
Greif nicht rein, schau lieber zu,
wer alles testet, endet früh.
Tü Tü tü, Tü Tü Tü tüü,
Dödel di und düdel dö,
Puff, Puff, Peng, Hic, Häk, Hok,
alles aus, der Mann ist tot.
[OUTRO]
In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti. Amen.


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