Johann Ludwig Runebergs Gedicht zeichnet ein zartes, melancholisches Bild unerfüllter Liebe und schmerzlicher Trennung. Im Zentrum steht ein Mädchen, dessen Geliebter als Schiffer in die Ferne aufbricht. Die Bewegung des Windes und der Segel symbolisiert das Unaufhaltsame des Abschieds, während das Mädchen selbst körperlich wie emotional gebunden bleibt. Der wiederkehrende Wunsch, ein Vogel zu sein, deutet auf ihren Traum nach Freiheit und Nähe hin – eine Freiheit, die ihr verwehrt ist. Die Natur dient als Spiegel ihrer inneren Welt: Unruhe, Sehnsucht und stille Hoffnung. Zugleich zeigt Runeberg die soziale Begrenztheit des „armen Mädchens“, das weder folgen noch verweilen kann und seine Trauer verbergen muss. Das Gedicht lebt von elegischer Stimmung, weichem Rhythmus und der poetischen Gegenüberstellung von Bewegung (der Schiffer) und Stillstand (das Mädchen). Dadurch entsteht ein zeitloses Bild stiller, unerfüllter Hingabe.
Ich möchte diese schönen Gedichte durch die Verschmelzung mit Musik in Erinnerung rufen, damit sie niemals in Vergessenheit geraten.
Das Schiffermädchen
(C) Rainer Wittmann, 2025
Text-Copyright: Johann Ludwig Runeberg (1804-1877)
finnisch-schwedischer Dichter
Winde blasen auf in Hast,
Segel füllen Stang und Mast,
Schiffer steur’t zum fernen Strande.
Kehrt er je zum Heimathlande?
Schiffer, wirfst den letzen Blick
Auch noch einmal mir zurück?
Sieh‘ mein Auge dich wohl grüßte,
Wenn es nur nicht weinen müßte.
Ach! daß ich ein Vogel wär‘,
Hätte Flügel, wollt‘ nichts mehr,
Folgte dir auf feuchten Pfaden
Hin zu fernesten Gestaden.
Käme stets mit dir ans Land,
Wendete, wo du gewandt,
Schwebte leicht auf meiner Schwinge,
Deinen Blick im Flug‘ ich finge.
Doch des armen Mädchens Loos
Ist ein kurzer Abschied blos,
Streckt die unbeschwingten Arme,
Bleibt zurück mit ihrem Harme.
Kann nicht folgen, darf nicht weilen,
Muß zurück zur Hütte eilen,
Ehe noch die Nacht gekommen,
Eh‘ das Segel noch verschwommen.
Muß verbannen aus der Brust
Ihrer Sehnsucht stille Lust,
Selbst die Thräne von den Wangen,
Daß man nicht bemerkt ihr Bangen.


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