Bruno ist ein leiser, theatralischer Song aus der Perspektive einer Mutter, die Abschied nimmt. Getragen von einer intimen Frauenstimme, reduziertem Klavier und einer zurückhaltenden Oboe entfaltet sich eine zeitlose Klangszene, die weniger erzählt als andeutet. Die Musik wirkt wie ein Brief, der nie laut gelesen wird – zart, würdevoll und voller unausgesprochener Nähe. Polyphone Momente zwischen Stimme und Oboe lassen zwei Ebenen gleichzeitig hörbar werden: das Gesagte und das, was nur zwischen den Zeilen existiert. Der letzte Refrain schließt als Coda – nicht steigernd, sondern lösend. Bruno ist kein historisches Lied und keine Ballade im klassischen Sinn, sondern ein musikalischer Abschiedsraum, in dem Liebe, Verlust und Hoffnung still nebeneinander stehen.
Bruno
(C) Rainer Wittmann, 2025
[Strophe 1]
Meine Hände zittern noch,
wenn ich deinen Namen schreib.
Zwischen Tinte und Papier
bleibt so viel von mir zurück.
Ich hab gelernt, leise zu sein,
zwischen den Zeilen zu bestehn.
Was ich dir nicht sagen darf,
musst du später selbst verstehn.
[Pre-Chorus]
Ich falte meine Worte klein,
damit sie nicht zerbrechen.
Manches sagt man nur im Stillen,
manches gar nicht –
manches nie.
[Refrain]
Bruno,
wenn du das hier liest,
bin ich längst nicht mehr bei dir.
Doch was ich war
und was ich fühlte,
lebt vielleicht noch
irgendwo in dir.
Bruno,
nimm das, was von mir bleibt.
Nicht mehr.
Aber auch nicht weniger.
[Strophe 2]
Sie sagten, Liebe passt hier nicht,
sie hat bei uns keinen Platz.
Was wächst im Schatten falscher Worte,
nannten sie Schande, nannten sie Schmutz.
Ich hab dich unter meinem Herzen
stärker gehalten als mich selbst.
Und alles, was sie mir genommen haben,
hab ich dir heimlich geschenkt.
[Pre-Chorus 2]
Zwei Tauben, eine Mitte,
dann ein Schnitt – ganz leis.
Manchmal ist Teilen die einzige Art,
dass etwas bleibt.
[Refrain]
Bruno,
wenn du das hier liest,
bin ich längst nicht mehr bei dir.
Doch wenn du suchst
und wirklich siehst,
findest du vielleicht
den Weg zu mir.
Bruno,
leb ein besseres Leben
als meines
es je sein konnte.
[Bridge Modulation (Key Change A diminished third higher)]
Vielleicht bin ich gegangen.
Vielleicht bin ich geblieben.
Vielleicht bin ich nur
eine Stimme in dir.
Wenn du fällst,
halt dich fest an dem,
was dich trägt.
Nicht an dem,
was man dir sagt.
[Coda]
Bruno…
Du kanntest mich nie.
Und doch warst du
mein ganzes Leben.
Bruno…
Du kanntest mich nie.
Und doch warst du
mein ganzes Leben.


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