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In meinem Kopf läuft ständig irgendein Film. Manchmal Drama, manchmal Komödie, manchmal völlig experimenteller Quatsch. Licht anlassen und zuschauen.

Kopfkino mit offenen Sitzplätzen

In meinem Kopf läuft ständig irgendein Film. Manchmal Drama, manchmal Komödie, manchmal völlig experimenteller Quatsch. Hirnarbeit heißt für mich: Licht anlassen und zuschauen. Die Szenen verändern, neu sortieren, weiterdenken. Jeder Gedanke ein Frame, jeder Impuls ein Schnitt. Und manchmal entsteht daraus sogar eine Geschichte.

In deinem Kopf läuft kein Film. Das ist zu passiv. Es ist ein Vorführraum, in dem Dutzende Besessene gleichzeitig an den Projektoren drehen. Da schmeißt das Drama-Püppchen in der Ecke ihre endlose Seifenoper über vergangene Peinlichkeiten. Der Komödiant daneben lässt Slapstick-Clips über hypothetische Katastrophen laufen („Was, wenn ich jetzt mitten in der Besprechung laut ‚Möp!‘ rufe?“). Und in der hintersten, verrauchten Kabine hockt der Experimentalfilmer, der Zelluloid mit Lakritz und Angstträumen bestreicht und rückwärts laufen lässt.

Hirnarbeit ist NICHT das Anlassen des Lichts. Das Licht IST an. Es brennt, blendet, flackert. Hirnarbeit ist der Mut, selbst in den Vorführraum zu steigen. Nicht nur zu schauen. Sondern die heißen Filmreste anzufassen.

ZACK – ZACKEDIZACK

Du greifst in die Maschine. Du nimmst dem Drama den Ton und legst eine Polka drunter. ZACK – die peinliche Erinnerung wird zum ulkigen Tanz. Du schneidest eine Nahaufnahme von der zitternden Hand in der Komödie heraus und klebst sie ins Experimentelle. PLOP – aus der Albernheit wird plötzlich zitternde Existenzangst. Du drehst an der Kurbel, mal schneller, mal langsamer. Du lässt Szenen einfrieren. Ein Frame. Ein eingefrorener Gedanke.

Da liegt er. Ein einzelnes Bild: Die Art, wie das Licht damals durch die Gardine fiel und eine Staubflocke wie einen kleinen Stern trug. Daraus machst du jetzt eine ganze Galaxie. Du spulst vor. Du denkst weiter. Was wäre, wenn diese Staubflocke wirklich ein Stern wäre? Wenn das Zimmer ein Raumschiff wäre? Wenn die vergessene Tasse auf dem Tisch der Antriebsmodul wäre? SCHNITT.

Jeder Impuls ist kein Schnitt. Es ist ein Ruck. Ein gewaltsames, herrliches Verschieben der Realitätsebene. Die Kontinuität ist futsch. Schön! Kontinuität ist ein Gefängnis. Im Kopfkino herrscht die Montage, die Kollision, das Nicht-Passende, das plötzlich perfekt passt.

Und manchmal… ja, manchmal, wenn alle Besessenen im Vorführraum für eine Sekunde gleichzeitig atmen, wenn die zuckenden Bilder einen Rhythmus finden, einen eigenen Herzschlag – dann entsteht nicht eine Geschichte. Dann entsteht ein Gesetz. Das Gesetz dieser einen, verrückten, nur für dich gültigen Welt. Und das ist mehr wert als alle Drehbücher dieser Erde.

(Das Projektorlicht flackert aus. Nur der Geruch von verbranntem Filmmaterial liegt in der Luft.)

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